Rax - Neue Seehütte über Göbl-Kühn-Steig

von Bernhard Renner

Heute ging's bei Nebel, ohne Fernsicht, vom Preiner Gscheid zur Neue Seehütte über den Göbl-Kühn-Steig. ... oder „Gib' acht vor der Gams“

Für die heutige Wanderung auf der Rax hatten wir uns die Neue Seehütte als Tagesziel ausgesucht. Nicht über den Seeweg von der Rax Bergseilbahn aus, sondern vom Preiner Gscheid rauf über das Waxriegelhaus und entlang dem Göbl-Kühn-Steig.
Für die Route hatten wir 10 Kilometer und etwa 6 Stunden veranschlagt. Schon mal vorweg: die Tourenplanung war bis auf das Wetter fast punktgenau so eingetroffen.

Wir starteten am Parkplatz am Preiner Gscheid - vorbereitet auf einen kalten, nassen Marsch. Doch schon beim Aufstieg zum Waxriegelhaus konnten wir nach nur wenigen Minuten feststellen, dass es alles andere als kalt war ... ja, echt angeneheme Wandertemperaturen stellten sich ein. Und mit der Nässe hatten wir bis kurz vor der Seehütte auch Glück. Der Nebel riss wohl nicht auf, sodass es keine Weit- oder gar Fernsicht gab, jedoch gab's weder Nebelreisen noch Niederschlag in anderer Form.

Rechts vom Waxriegelhaus marschierten wir dann in Richtung Tagesziel. Die Strecke ist echt gut beschildert! Speziell zu Beginn der Strecke gibt es viele Abzweigemöglichkeiten nach Prein oder Griesleiten - jedoch alles super beschildert, sodass man sich hier wohl kaum verlaufen könnte.
Der Steig führt durch den Wald. Ab dem etwa 3 Wegkilometer wird's dann steiler und steiniger. Steigungen von gut 25 bis 30% sind dann schon mal drinnen. Glatter nasser Steinsteig als Untergrund erfordert nun ein Mehr an Aufmerksamkeit. Den Wald lassen wir hinter uns und wir marschieren durch Latschenfelder.
Aber nicht nur, dass sich die Vegedation änderte, nein - auch die Tierwelt wird hier oben etwas grösser :-) Wie aus dem Nichts querte eine Gämse in vollem Schwung unsere Marschroute - da blieb mir mal kurz der Atem weg. Ich vermute, dass wir uns genauso erschrocken haben, wie sich auch das Tier. Doch die Gämse blieb dann nur wenige Meter hinter uns am Weg stehen und posierte noch aufrecht und erhaben, so als wollte sie uns sagen: „Komm schon, ein Foto geht schon“. Ja, und das nutzten wir dann natürlich auch aus - wenn auch etwas vom Nebel verschleiert.
Nur wenige Gehminuten später: ein Pfeifen. Was denn das für ein Geräusch? Und da tauchte schon die nächste Gämse auf. Ja, sie pfiff wohl zur Warnung - ob uns oder den anderen Artgenossen gegenüber, kann ich leider nicht beurteilen. Beide Zusammentreffen zeigten uns jedoch, dass wir nicht nur auf den zu gehenden Untergrund acht geben sollten, sondern auch auf die Umgebung. Besser gesagt auf herabgaloppierende Gämsen.

Nach etwa 2,5 Stunden Fussmarsch erreichten wir dann die auf 1643m Höhe stehende Neue Seehütte. Und keine drei Minuten später entlud sich auch das Nass von oben auf uns herab. Einkehrschwung war angesagt!
Nach einer warmen Mahlzeit und ein wenig Kraft schöpfen ging's dann wieder - noch bei Regen - wieder in Richtung Tal. Wir wählten dazu wieder die gleiche Route, wie wir sich auch raufmarschiert waren. Glatter nasser Boden ... jeder Tritt darf wohl überlegt sein und im Hinterkopf: Gämsenalarm.

Alles in Allem eine wunderbare Tour! Trotzdem dass es kein Aussicht gab, war's eine tolle Strecke. Und: sie schreit nach Wiederholung - bei Schönwetter und Fernsicht!


Dauer: ca. 5,5 Stunden
Distanz: 10 Kilometer für Hin- und Retourweg
Höhenmeter: 600 rauf, 600 runter

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