Eiseskälte in Prag

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Am Montag, dem 19. Dezember 2016, setzte ich mich wagemutig in einen Bus der Firma FlixBus. Wegen anhaltender Übelkeit, die ich normalerweise spürte, sobald ein Bus, in dem ich mich befand, sich auch nur in Gang setzte, hatte ich schon in der Woche davor ein ungutes Gefühl im Magen. Überraschenderweise ging es mir während der Fahrt –, bei der es draußen bereits Dunkel war, was bei dieser Jahreszeit aber kein Wunder ist – sehr gut und mein Magen fühlte sich nur leicht flau an. In Prag angekommen, nach mehrstündiger Fahrt, ging es zu Fuß zum Old Prague Hostel, in dem die Gruppe einquartiert war. Gleich darauf ging es erstmal ins Bett, da es nicht nur spät geworden war, sondern der nächste Tag auch sehr anstrengend sein sollte.


Der erste Morgen in Prag ließ mich gleich auf dem Weg zur Sprachanimation, an der wir teilnahmen, um ein bisschen in die tschechische Sprache zu schnuppern, erkennen, dass man trotz mehreren Schichten Kleidung fror.
Nachmittags stand ein Besuch im jüdischen Museum, der äußerst schockierend und gleichzeitig faszinierend war. Die Ausstellung beinhaltete nicht nur die eindrucksvollen, von oben bis unten beschriebenen Wände, sondern auch den Friedhof, wo die Gräber bereits in mehreren Schichten aufgeschüttet wurden. Später konnten wir auch noch die Prager Altstadt erkunden, wo wir um vier Uhr nachmittags die astronomische Rathausuhr mit vielen anderen Touristen betrachteten und herrliche Köstlichkeiten beim Weihnachtsmarkt probierten.
Abends genossen wir wunderbare Musik im Jazzclub, die auch mir in Maßen gefiel, obwohl ich absolut kein Fan von dieser Musikrichtung bin.


Am nächsten Tag konnten wir die John-Lennon-Mauer bewundern und uns ausreichend über Frank Kafka informieren. Die Straßenbahn brachte uns anschließend zur Burganlage, die auf dem Berg Hradschin thront, in deren Mitte sich der Veitsdom befand. Der Rückweg nach unten lässt sich wunderbar zu Fuß bestreiten und dauert nicht so lange, wie es von oben aussehen mag.
Jetzt stand endlich eine Pause an, in der wir uns ins Hostel verzogen, da die Kälte schon langsam an uns allen nagte. Gut erholt und aufgewärmt huschten wir gerade noch rechtzeitig (da wir uns in der Altstadt verlaufen hatten) ins Rudolfinum, in dem 21. Dezember das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt wurde.


Der letzte Tag in Prag brachte nichts Gutes mit sich. Alle waren schon geschafft vor Kälte und Anstrengung und zu unserem Pech fiel unser Tagesprogramm ins Wasser. Eigentlich wollten wir die Villa Bertramka, in der Mozart sich für einige Zeit niedergelassen hatte, besichtigen. Trotz vorhergehenden Nachfragen, ob das Museum denn auch wirklich offen hätte und zu welcher Zeit, Besucher die Villa betreten konnten, warteten wir bei unangenehmen Temperaturen über einen längeren Zeitraum hinweg vor verschlossenem Tor. So legten wir also den Weg in die Altstadt wieder mit der U-Bahn, die unter der Moldau durchfuhr, zurück und verbrachten noch einige Zeit am Wenzelsplatz bevor wir im Hostel auscheckten und zum Busbahnhof marschierten.


Zum Hostel: Auf den ersten Blick wirkte unsere Unterkunft recht nett; freundliches Personal, einladende Atmosphäre. Nach nur ein paar Minuten im Zimmer mussten wir aber feststellen, dass es sehr kalt war. Nach einigen frierenden Momenten, erkannten wir, dass eines der alten Fenster sich nicht ganz schloss und meldeten dies. Dagegen wurde zwar etwas getan, jedoch erhöhte die Temperatur sich immer noch nicht. Der Heizkörper, der das Acht-Bett-Zimmer mit Wärme versorgen sollte, half nur etwas, wenn man mit dem Rücken angelehnt vor ihm saß, doch er kam gegen die Kälte, die durch die Fenster hereinströmte nicht an. „Dank“ der Zimmereinteilung des Personals, das nur jeweils vier Personen in zwei Acht-Bett-Zimmer zugeteilt hatte, konnten wir uns je eine zweite Decke für die Nacht nehmen, doch mein Körper konnte sich einfach nicht aufwärmen. Nachdem wir weitere Male darauf aufmerksam gemacht hatten, dass es in unserem Zimmer immer noch sehr kalt war, hat man unserer Gruppenleiterin versichert, wir bekämen zusätzliche Decken. Als wir diese abholen wollten, haben sie uns eine dritte Decke verweigert, mit dem Argument, dass wir sowieso vier freie Betten zur Verfügung haben, in denen jeweils eine Decke war.
Das Frühstück war ebenfalls kein wirklicher Pluspunkt. Ja, natürlich, man darf von einem billigen Hostel nicht zu viel verlangen, aber ich ekle mich schon ein bisschen davor, wenn das Geschirr von jedem einzeln abgewaschen wird. Wer weiß, wie gründlich die vorigen Benutzer beim Spülen waren? Zur Auswahl gab es Tee und Kaffee, Cornflakes und Frühstücks-Schoko-„Kügelchen“ mit warmer Milch und eines von zwei belegten Baguettes, die teilweise steinhart waren.


Nach Prag würde ich in nächster Zeit nicht mehr fahren, besonders nicht, wenn dort weihnachtliche Kälte herrscht. Trotzdem ist die Stadt alleine wegen ihrer wunderschönen Altstadt schon einen Besuch wert. Ein kleiner Tipp: Die Naschereien und süßen Speisen auf den Weihnachtsmärkten können die Kälte ein bisschen erträglicher machen!
(Da ich eingefrorene Finger nicht so gern habe, gibt es in diesem Bericht leider nicht viele Fotos.)

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