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Grenzerfahrung auf der Rax

von Bernhard Renner

Sonja und ich machten uns am Samstag schon sehr früh auf die Beine - nein, eigentlich mal rein in unseren Toyota um nach etwa zwei gemütlich herrlichen Anfahrtsstunden am Parkplatz der Rax-Gondelseilbahn zu landen.
Die Rax war das 2-Tagesziel für das Wochenende des 8. und 9.Juli 2017 - oben wollten wir am ersten Tag eine satte Runde von gut 5 bis 6 Gehstunden bewältigen um dann am zweiten Tag die Heimfahrt mit einer weiteren Runde irgendwo am Heimweg zu marschieren. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Da wir im Tal nicht sogleich ein Nachtquartier finden konnten, reservierten wir kurzerhand im Berggasthaus der Bergstation ein Zimmer für die Nacht um den nächsten Tag noch eine weitere, kleinere Runde am Berg zu drehen ... aber mal von vorne und den ersten Tag revue passieren lassen:

Also mit der Gondel rauf und oben eine Wegekarte organisiert. Ich hatte das Glück und konnte einen Mitarbeiter der Bergbahn fragen, wo es denn eine schöne, ausgiebige Route gäbe - ein wenig abseits der Hin-und-Retour-Touristen-Routen. Rasch wurden mir zwei mögliche Touren vorgeschlagen, wobei beide doch bereits in der Beschreibung schon mit gut 6 bis 7 Stunden angekündigt wurden. Ein herzliches Dankeschön und schon waren Sonja und ich auf den Beinen.

6 bis 7 Stunden würden, so unser Plan, auf etwa 8 Stunden bei uns ausfallen, sodass wir so gegen 19 Uhr mit Pausen wieder retour sein könnten ...

Der Weg führte uns über das naheliegende, etwa eine halbe Stunde Fussmarsch, liegende Otto-Haus, welches mal dezent links liegen gelassen haben um rechts in Richtung zur Höllental-Aussicht zu marschieren.
Herrlich angenehm warme  Luft mit stetigen Wind liessen uns die erste Gehstunde wie im Fluge vergehen. Auch die Aus- und Fernsicht, die Vegetation und die vielen kleinen Insekten, die sich am Wegesrand auf den Blumen tummelten brachten uns zum Staunen.

Als wir an der Höllentalaussichtsplattform angekommen waren, kamen wir aus dem Staunen kaum raus - überwältigender Ausblick - einfach nur wunderbar. Hier spürt man wie klein man als Mensch gegenüber der Natur steht ...

Hier durften wir die erste nette Bekanntschaft des Tages machen - Grüsse an dieser Stelle nach Gross Weikersdorf und nach Krems ;-)
Gegenseitig wurden wir von ihnen und sie von uns photographiert, sodass wir alle zufrieden auch gemeinsam auf unseren Schappschüssen zu sehen sein können.
Als wir dann unser HORN iST VORN Plakat auspackten um damit das Projekt 'HORN iST VORN unterwex' abzulichten, wurden wir natürlich darauf angesprochen "... seid's ihr aus Horn? ... ich bin aus Weikersdorf ... und ich aus Krems ..." und schon waren wir im Gespräch ...

Danach ging's weiter zum nächsten Zielpunkt - die Wolfgang Dirnbacher Hütte - eine Schutzhütte inmitten einer Blumenwiese, knapp unterhalb des Fusses der Nördlichen Lechnermauern.
Auch dort wurden wir beim Ablichten mit dem HORN iST VORN Plakat von netten Leuten angesprochen und zum kurzen Gespräch begeistert.

Nach einer weiteren Pause machten wir uns auf den Weitermarsch zum Klobentörl um von dort weg zu entscheiden, ob wir umkehren oder die Route weiter gehen wollen.

Wir entschieden uns weiterzugehen - leider nicht ahnend, dass wir diesen Wegepunkt spät abends als jenen Punkt der, nun sagen wir mal, nicht korrekten Entscheidung ansehen sollten.

Von 1648 Meter Seehöhe kämpften wir uns rauf auf gemessene 1908 Meter - ein langer harter Weg, den Sonja mit dem Kampf der Höhenluft büssen sollte. Müde und kraftlose Beine und Schwindel waren die Folge. Umkehren? Wir konnten nicht abschätzen, wie der weitere Weg bis zu Habsburghütte sein könnte - ob dieser nicht kürzer und damit besser bis zu nächsten Rast wäre, als nochmals den Weg mit gut 2 Stunden zurück zur Ottohütte?
Auch hier die tapfere Entscheidung weiter zu gehen bis wir irgendwann dann doch noch die Habsburghütte im Blickfeld finden konnten.

Doch trotz dass wir sie schon sehen konnten, war es noch ein langer Weg ...

Auf der Habsburghütte, die wieder unten auf 1785 Meter Seehöhe liegt blieben wir eine gute halbe Stunde. Nahmen ein Getränk und Linsen mit Knödel zu uns um den noch für 3,5 Stunden angeschriebenen Heimweg anzutreten.
Sonja am Ende ihrer Kräfte und eigentlich keinen Willen auch nur einen weiteren Schritt zu gehen - hätte sie nicht gewusst, dass wir mit etwa 15 Uhr stark unter Zeitdruck stehen würden. Durchgehend gehen war nicht mehr drinnen - alle gut 50 Schritte bergauf stehen bleiben und für nur wenige Sekunden mit Minuten rasten ... das war die Möglichkeit uns Meter für Meter vor zu bewegen.

Doch sie liess nicht locker und schlug sich tapfer bis zum nächsten Punkt, die Neue Seehütte.
Dort machten wir wieder eine Rast um uns auf das letzte, wohl fast leichteste aber längste Teilstück vorzubereiten. Gut zureden, motivieren und an Schönes, an das Bett im Quartier denken :-)

Von der Seehütte kommend bis hin zum Ottohaus, ist die Wegstrecke sehr einfach gehalten - trotzdem war jeder Schritt eine Qual für Sonja. Demotiviert um am absoluten Ende. Nur noch die Zeit und das Ziel im Hinterkopft blieben ihr.
Vorbei an der Ottohütte, wo wir wussten ... noch ne halbe Stunde und dann am Ziel.
Da wir uns von der Seehütte weg wieder auf "normaler" Seehöhe bewegten, hielten sich zumindest ihre Kopfschmerzen fern - aber der Zwang keinen Schritt mehr weiter zu wollen hielt an.

Dann endlich, um ca. 19:30 Uhr trafen wir im Quartier ein um unser Zimmer zu beziehen ...

Am Ende des Tages, nach 9,5 Stunden herrlicher Natur, Fauna und Flora, herrlicher Fern- und Bergsicht konnten wir uns beruhigt sagen, dass wir heute keinen Ton mehr darüber sprechen sollten - eine Nacht drüber schlafen sollten - und am nächsten Tag, den heutigen Tag revue passieren lassen sollten.
Und genau das taten wir auch ...

Sonja kämpfte mit der Höhe und der Anstrengung - ich kämpfte, sie soweit mir nur möglich zu unterstützen um diese Leistung auch entsprechend für sich zu würdigen.
Wir waren uns darüber einig, dass diese Tour für uns beide sehr wichtig war - eine wichtige (Grenz)Erfahrung! Hätten wir diese in dieser Form nicht gemacht, hätten wir unsere Grenzen, unsere Möglichkeiten nicht erfahren dürfen oder können.
Wir durften erkennen, dass dieser Tag noch fester verbunden hatte, denn wir waren den Weg gemeinsam gegangen - gemeinsam vom Anfang bis zum Schluss!

Würden wir solch' eine Tour nochmals machen? - Ja, aber mit besserer Vorbereitung.
Würden wir uns nochmals in der Streckenmitte auf eine solch eine Entscheidung einlassen? - Nein, wenn wir uns nicht sicher wären nicht (mehr).
Würden wir nun andere Personen verstehen, die vor Erschöpfung aufgeben? - Ja, definitiv.
Wie lange war die Strecke? - ich kann's nicht genau sagen - in etwa würde ich sie auf zwischen 16 bis 18 Kilometer schätzen

... und dann war da noch der 2.Tag ...

Frühmorgens ausgeruht und ausgeschlafen ging's beim Frühstück darum, wie wir denn unseren heutigen Tag verbringen würden.
Rasch war klar, dass ich ein Tagesziel hatte und Sonja auch ... beide unterschieden sich aber von einander ;-) Wobei sich ein Teil des Zieles zumindest soweit deckte, dass wir heute nochmals oben einen Teil des Tages verbringen werden. Ich reservierte die Talfahrt mal für 14 Uhr um einerseits heroben noch „mein“ Tagesziel zu erreichen und andererseits noch ausreichend Zeit für eine gemütliche Nach-Hause-Fahrt blieb.

So machten wir uns auf den Weg zum Otto-Haus wo wir uns über dem Törl auf einer mit Edelweiss übersähten Wiese niederliessen.
Edelweiss wo man nur hinsah ... absolut schön anzusehen. Den Blick auf die Otto-Hütte und auf mein Tagesziel ...

Nach einer kurzen Rast machte ich mich auf den Weg um noch die letzten wenigen Höhenmeter auf zum Gipfelkreuz zu nehmen - ohne Gepäck sollt's ja nicht allzu schwer werden. Sonja nutze die verbleibende Zeit zum weiteren Ausruhen und Relaxen.

Immer wieder nutzte ich die Zeit um den Blick ins Land zu nehmen, Bilder zu schiessen und meinem Seelenfrieden zu finden indem ich wusste, dass trotz der vortägigen Anstrengung mein Wille mir sagte:„du kommst da rauf“.

Ja, und so war's dann auch schon nach kurzer Zeit - das Gipfelkreuz und der Rundumblick. Einerseits ins Land rein und anderers zurück auf den langezogenen Kamm, den wir gestern oben entlang gewandert sind - heroisch, erfürchtig und bewegend ... ein Anblick der mich stolz sein liess, dass wir das alles gestern bewältigt hatten.

Nach einigen vielen bewegenden Momenten da oben machte ich mich wieder zurück zum Plateau wo Sonja noch auf mich wartete - beim Rückweg kehrte ich dann noch in der Otto-Hütte ein, um ein Fläschchen Bier und das süsse Energygetränk mit dem Stieren drauf mitnahm, um auf der Wiese noch die Zeit bis zum Rückmarsch zur Bergstation mit Sonja zu geniessen.

Gerade rechtzeitig machten wir uns zurück auf den Weg zur Bergstation - denn als wir ankamen und uns noch ein Abschiedsgetränk am Berg, auf der Rax im Freien genehmigen wollten, begann der grosse Regen ... also nahmen wir unser Getränk eben in der Gaststube um dann pünktlich zur Talfahrt fertig zu sein.

Ein Schritt in die Gondel und schon ging's bergab ...


Zwei Tage voller Erlebnisse und voller neuer Erfahrungen die wir nicht missen wollen.
Wie also war's (heuer) dort: genial und empfehlenswert! Trotz Strapazen und völliger Überschätzung unserer Situation wissen wir, dass wir auch kommendes Jahr wieder rauf auf die Rax wollen - denn es fehlt da ja noch ein Stück zu gehen, das wir noch nicht begangen sind ;-)

Der „Tourismussteig“ als auch die „Umwege“ sind 1A beschrieben und gekennzeichnet - mehr oder weniger schwierig und anstrengend zu gehen, aber bewältigbar. Auf einer Skala von 1 bis 10 - wobei 10 die Höchstnote heisst), bekommt die Rax von uns definitiv eine 10 !
Danke und Berg Heil

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